Die grundsätzliche Überlegung ist auch mit Blick auf die anfallenden Kosten sicherlich, dass der Beschuldigte einen Pflichtverteidiger benennt, dieser ihm beigeordnet wird, und dann das gesamte Verfahren begleitet.

Insbesondere in Konstellationen, in denen der Angeklagte bzw. Beschuldigte keinen Verteidiger benennt oder benennen kann ist es so, dass die Auswahl des dann zu bestellenden Verteidigers auf den entsprechenden Richter übergeht. Die Praxis zeigt, dass dann oftmals Unzufriedenheit bei den Beschuldigten vorherrscht, und diese im weiteren Verlauf den Wechsel des Verteidigers erlangen möchten.

Auch aufgrund der Gesetzesänderung ist nunmehr § 143a StPO einschlägig. Die Vorschrift sieht vor, dass im Falle der Auswahl des Verteidigers durch das Gericht dem Beschuldigten nunmehr eine Frist von drei Wochen zusteht, innerhalb derer er beantragen kann den Verteidiger zu seinem Wunschkandidaten hin zu wechseln. Das Gericht hat hier nahezu keine Möglichkeit diesem Antrag nicht zu entsprechen.

Ungeachtet dessen steht es dem Beschuldigten selbstverständlich jederzeit frei einen Wahlverteidiger zu mandatieren. Ein Wahlverteidiger muss von dem Beschuldigten selbst finanziert werden. Sofern dieser dann gegenüber dem Gericht die Erklärung abgibt, dass die Kosten für die Verteidigung gesichert sind und der Wahlverteidiger das Verfahren bis zum Ende begleitet, so kann der Pflichtverteidiger durch entsprechenden Beschluss entbunden werden.

Auch nach dem Ablauf der Dreiwochenfrist kann es in engen Ausnahmefällen zu einem Wechsel des Pflichtverteidigers kommen. Unproblematisch ist hierbei die Konstellation, dass sowohl der alte als auch der neue Verteidiger einverstanden sind und zu Protokoll erklären, dass der Staatskasse keine Mehrkosten entstehen.

Die letzte Möglichkeit zum Wechsel des Pflichtverteidigers besteht in der Darlegung, dass das Vertrauensverhältnis des Mandanten zu seinem Rechtsanwalt und/oder umgekehrt nachhaltig zerstört und erschüttert ist. Die Rechtsprechung legt hier hohe Hürden an, da dieser Wechsel üblicherweise mit Mehrkosten für die Staatskasse verbunden ist. Der Antragsteller muss dabei dem Gericht sehr dezidiert offenlegen wieso es zu einer Zerrüttung des Vertrauensverhältnisses gekommen ist, und auf welcher Grundlage er zu dem Ergebnis kommt, dass sich dieses nicht mehr verbessern lässt.

Die Anträge sind üblicherweise höchst problematisch, da hierbei bei viele Details aus dem mandatsinneren berichtet werden müssen und der Betroffene auch ein Stellungnahme Recht inne hat.

Klassischer Fall für eine Entpflichtung ist z.B. wenn der Rechtsanwalt S nach Festnahme des Mandanten unterlässt ihn in der JVA besuchen oder über den Verfahrensfortgang zu unterrichten. Es gibt hierzu eine breite Kasuistik, aber jedenfalls dann wenn der Rechtsanwalt für drei Wochen nach der Festnahme nicht in der JVA erschienen ist dürfte dies die Zerrüttung des Vertrauensverhältnisses begründen.